Wolfsvision zur Nacht, 31.08.2027
Der Gesang des Rudels berührt etwas tief in mir, etwas Ursprüngliches, etwas Wildes .. wir rücken am Feuer enger zusammen, ziehen die Decken enger um unsere Schultern, aber ich lausche in die Dunkelheit, suche die Quelle des Heulens zu orten, vergebens, Echo verfängt sich in Echo … warum hört das nicht auf? warum kommt es nicht näher?! … mein Herz pocht, die Haare an meinen Armen und im Nacken stellen sich auf, ich atme schneller … würde am liebsten den Kopf in den Nacken legen und dem Rudel antworten: „Ahoooooouuuuuu, hier bin ich! Brüder und Schwestern! Ahooooouuuu, hier bin ich!“ … reflexartig öffnen und schließen sich meine Hände, ich starre in die Flammen, halte mich an den Stimmen meiner menschlichen Gefährten fest, was ist das bloß? … da! … ein Knacken, ein tiefer undefinierbarer Ton, ein Hirsch springt auf die Lichtung, erstarrt im Halbdunkel unseres Feuers, einen Augenblick nur, einen endlosen Blick lang, Auge in Auge, dann ist er verschwunden … „Ahoooouuuuu!“ plötzlich schmecke ich die Botschaften des Windes auf der Zunge, rieche die Pfade der Nacht, weiß gerade noch, dass ich die Decke von mir werfe … dann versinke ich in den Schatten, höre den Wald atmen, spüre den Waldboden unter den blossen Füßen … Pfoten … strecke mich lang und länger … und laufe …
